Nach einem Jahr intensiver Vorbereitung war es endlich so weit: Am 4. Oktober starteten acht Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe des Gymnasiums München-Feldmoching zu ihrem lang ersehnten Schüleraustausch nach Kreta. Das Interesse war groß gewesen – insgesamt 37 Jugendliche hatten sich um einen der acht begehrten Plätze beworben. Begleitet wurden sie von Alexander Feldhaus und Maria Tousi.
Bereits um 4:30 Uhr traf sich die Gruppe an der S-Bahn-Station Fasanerie in München, um gemeinsam zum Flughafen aufzubrechen. Trotz der frühen Stunde und einer gewissen Aufregung rund um Tickets und Boarding überwog die Vorfreude auf die bevorstehende Woche. Nach der Landung in Heraklion ging es mit dem Bus weiter nach Ierapetra, wo die Jugendlichen von Maria Christaki, der koordinierenden Lehrkraft des 1. Gymnasiums Ierapetra, und den griechischen Gastfamilien herzlich empfangen wurden. Bei den ersten Begegnungen war noch etwas Zurückhaltung zu spüren, doch die große Gastfreundschaft der Familien ließ bereits erahnen, wie herzlich die kommenden Tage werden würden. Aufgrund der Unwetter in der Vorwoche musste das Programm an einigen Stellen angepasst werden, was der positiven Stimmung jedoch keinen Abbruch tat.
Montag: Ankommen, Schule und erste Begegnungen
Zu Beginn der Woche erhielten die Jugendlichen interessante Einblicke in den griechischen Schulalltag. Sie lernten die Partnerschule kennen und konnten Unterschiede und Gemeinsamkeiten hinsichtlich der Ausstattung, der Unterrichtsgestaltung und des Umgangs zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern entdecken. Diese unmittelbaren Erfahrungen eröffneten wertvolle Gesprächsanlässe und ermöglichten einen differenzierten Blick auf das eigene Schulsystem.
Eine Begrüßung an der Schule und ein Tanzworkshop vermittelten weitere Eindrücke der griechischen Kultur. Bei einem gemeinsamen Gyropita-Essen kam die Gruppe anschließend zusammen. Auch außerhalb des offiziellen Programms gab es bereits Gelegenheit, sich näher kennenzulernen: Am Strand wurde Fußball gespielt, im Meer gebadet und die neue Umgebung erkundet.
Dienstag: Nachhaltigkeit im Tourismus
Ein besonderes Highlight erwartete die Gruppe beim Besuch des Robinson Clubs in der Region Ierapetra. Bei einer Führung durch das Hotel erhielten die Jugendlichen Einblicke in den Hotelbetrieb und in die Bemühungen um nachhaltigeres Wirtschaften. Sie beschäftigten sich mit der Frage, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen im Tourismus gelingen kann. Der Besuch verband damit spannende Einblicke in die Arbeitswelt mit wichtigen Impulsen zum Thema Nachhaltigkeit. Ein gemeinsames Buffet rundete diesen erlebnisreichen Tag ab.
Mittwoch: Ierapetra entdecken und kulturelle Gemeinsamkeiten finden
Bei einem Rundgang durch Ierapetra erkundeten die Schülerinnen und Schüler die Stadt und besichtigten das direkt am Hafen gelegene Kastell. Auch an der historischen Moschee führte der Weg vorbei. So lernten sie weitere Facetten der vielfältigen Geschichte Kretas kennen.
Anschließend stand ein Workshop im Chocolicious Café auf dem Programm. Dort beschäftigten sich die Jugendlichen mit deutsch-griechischen Gemeinsamkeiten, kulturellen Besonderheiten Kretas sowie der griechischen Schrift und regionalen Dialekten. Mithilfe eines abwechslungsreichen Arbeitsblatts konnten sie ihr Wissen vertiefen und neue Perspektiven auf die Kultur ihres Gastlandes gewinnen.
Donnerstag: Geschichte hautnah erleben
Am Donnerstag besuchte die Gruppe die archäologische Stätte Gournia. Die Jugendlichen konnten die historische Anlage bestaunen und zugleich die beeindruckende Landschaft mit ihren Meeresbuchten und den umliegenden Bergen genießen.
Im Anschluss erhielt die Gruppe beim Besuch des archäologischen Instituts INSTAP einen umfassenden Einblick in die verschiedenen Stationen archäologischer Arbeit. Von Ausgrabungsmethoden über Keramikfunde und menschliche Knochen bis hin zu Erkenntnissen über die Ernährung vergangener Jahrtausende wurde deutlich, wie vielfältig archäologische Forschung ist und welche Geschichten historische Fundstücke erzählen können.
Ein anschließender Keramikworkshop bildete einen gelungenen Abschluss. Hier konnten die Schülerinnen und Schüler selbst kreativ werden und mit den Händen arbeiten. Es war schön zu beobachten, wie konzentriert und ruhig die Jugendlichen bei der Sache waren – eine willkommene Abwechslung zum oft digitalen Alltag.
Freitag: Mediterrane Ernährung und gemeinsamer Sport
Am Freitag kehrte die Gruppe in die Schule zurück, um weitere Eindrücke vom griechischen Schulalltag zu sammeln. Besonders praktisch wurde es beim gemeinsamen Kochen: Die Jugendlichen bereiteten typische Gerichte wie griechischen Salat, Tzatziki und Dakos zu und lernten so die mediterrane Ernährung aus nächster Nähe kennen.
Am Nachmittag wurde es sportlich: Auf einem Basketballplatz in Strandnähe wurde gemeinsam gespielt – auch die begleitenden Lehrkräfte waren mit Begeisterung dabei. Solche gemeinsamen Aktivitäten boten eine unkomplizierte Gelegenheit, Sprachbarrieren zu überwinden und die Gemeinschaft weiter zu stärken.
Samstag: Ein uralter Olivenbaum und gemeinsame Zeit am Meer
Am Samstag unternahm die Gruppe einen Ausflug nach Kavousi. Dort bestaunten die Jugendlichen einen fast 3.000 Jahre alten Olivenbaum. Eine kurze Wanderung führte durch die eindrucksvolle Landschaft und forderte an einigen Stellen durchaus Trittsicherheit. Nach einem kleinen Souvenir-Stopp folgte eine gemeinsame Essenseinladung am Tholos-Strand.
Anschließend blieb Zeit, um am Meer zu entspannen, zu lesen, Sport zu treiben und die Erlebnisse der vergangenen Tage miteinander zu teilen. Diese Mischung aus gemeinsamen Unternehmungen und freier Zeit machte den Tag zu einem gelungenen Abschluss der gemeinsamen Woche.
Am Abend trafen sich alle Teilnehmenden und die Begleitlehrkräfte noch einmal in der Schule, um gemeinsam den Ironman auf Hawaii anzuschauen, was irgendwie besonders war.
Lernen fürs Leben und ein bewegender Abschied
Neben dem offiziellen Programm blieb immer wieder genügend Zeit, um mit den Gastfamilien zusammenzuwachsen, Freundschaften zu vertiefen und das Leben auf Kreta kennenzulernen. Ob beim Fußballspielen am Strand, beim Baden im Meer, bei gemeinsamen Gesprächen oder bei sportlichen Aktivitäten – gerade diese ungezwungenen Momente machten den Austausch besonders wertvoll.
Die Woche war weit mehr als eine Reise in ein anderes Land. Die Jugendlichen setzten sich mit kulturellen Unterschieden, sprachlichen Herausforderungen, verschiedenen Essgewohnheiten und unterschiedlichen Lebensbedingungen auseinander. Sie lernten, eigene Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen, sich auf Neues einzulassen und Gemeinsamkeiten über Ländergrenzen hinweg zu entdecken. Gerade die unmittelbaren Begegnungen mit den Gastfamilien und der Schulalltag vor Ort machten diese Erfahrungen besonders nachhaltig.
Am Sonntag hieß es schließlich Abschied nehmen. Dabei wurde deutlich, wie eng die Jugendlichen in nur einer Woche zusammengewachsen waren: Es flossen Tränen, und der Gedanke an die Rückkehr in den gewohnten Alltag fiel nicht nur den Schülerinnen und Schülern schwer. Auch die begleitenden Lehrkräfte blickten mit großer Dankbarkeit auf eine unvergessliche Woche zurück.
Die acht Jugendlichen aus der neunten Jahrgangsstufe haben das Gymnasium München-Feldmoching hervorragend vertreten. Sie zeigten sich zuverlässig, aufgeschlossen und respektvoll und können stolz auf ihre Leistung sein. Ein besonderer Dank gilt dem Erasmus+-Programm, das diese Begegnung ermöglicht hat, sowie der griechischen Partnerschule und insbesondere Maria Christaki für die herzliche Aufnahme und die engagierte Organisation vor Ort.
Mit vielen neuen Eindrücken, wertvollen Erfahrungen und neu entstandenen Freundschaften im Gepäck freut sich die Schulgemeinschaft nun auf den Gegenbesuch der griechischen Schülerinnen und Schüler vom 1. bis 7. März 2027 in München. Auch dafür ist bereits ein abwechslungsreiches Programm geplant.
Eine Woche auf Kreta, die zeigt: Austausch bedeutet nicht nur, ein anderes Land kennenzulernen – sondern auch, den eigenen Blick auf die Welt zu erweitern.



