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Wie man nachts ins Schulhaus kommt

    Schule ist für die meisten ein Ort zum Lernen, vielleicht auch mal ein Ort zum Austauschen mit Freunden, aber ganz sicher kein Ort, um zu übernachten.
    Wie auch, gibt es weder Matratzen – geschweige denn Betten – noch eine Küche (zumindest keine, die auch Schülerinnen und Schüler betreten dürfen) noch irgendetwas anderes, das auch nur entfernt an einen Übernachtungsort erinnern könnte, dafür aber einen sehr harten Boden, viele genauso harte Tische und noch einige Stühle.
    Zwei Sachen allerdings gibt es, die eine Schulhausübernachtung doch möglich machten: Ein Whiteboard, auf dem zuvor noch ein Film angesehen werden konnte, und einen Pizzalieferservice.

    Aber der Reihe nach: Als wir uns angemeldet haben, an der ILV (Individuelle Lernzeit Verkürzung, hier lernt man im Nachmittagsunterricht in Jahrgangsstufe 9 und 10 die wichtigsten Dinge aus Jahrgangsstufe 11, damit man dann in der 11. ein Auslandsjahr machen oder diese überspringen kann) teilzunehmen, hat, glaube ich, niemand gedacht, dass dies am Ende der 9. Klasse darin resultieren würde, eine Nacht in der Schule zu verbringen.
    Genau das ist aber passiert: Schon seit dem Halbjahr lesen wir nämlich in ILV Englisch (bei der ILV gibt es verschiedene Fächer, die sich immer abwechseln – eines davon ist Englisch) eine Lektüre: Animal Farm von George Orwell, ein sehr spannendes Buch, das zeigt, wie aus einer Revolution gegen eine Diktatur schleichend eine neue Diktatur entsteht, und klare Parallelen zur Geschichte aufweist.
    Dieses Buch ist relativ bekannt, und darum verwundert es nicht, dass es bereits einen Film dazu gibt.
    Genauer gesagt sogar zwei Filme, einen über 70 Jahre alten Zeichentrickfilm und einen Animationsfilm aus dem vergangenen Jahr.
    Weil keine Schullektüre ohne das Ansehen einer Verfilmung auskommt, es aber eh schon zu wenig ILV Stunden gibt, war es keine Option, den Film im Unterricht anzusehen.
    Ein Dilemma, aber eines, mit einer Lösung: Den Film am Abend zu gucken und anschließend in der Schule zu übernachten.

    Da es allerdings, wie bereits festgestellt, keine Küche für Schülerinnen und Schüler gibt, und es wohl auch Lehrkräften nicht sehr viel Spaß macht, für alle teilnehmenden Schülerinnen und Schüler zu kochen, haben wir Pizza bestellt.
    Danach konnte es endlich losgehen mit dem Film, und eine Stunde und zwölf Minuten später mussten wir uns dann auch fertig machen, um schlafen zu gehen (Spoiler: Es wurde nicht nur geschlafen).

     

    -Paul Hudelmaier, 10e